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Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – die Vorteile einer konstruktiven Fehlerkultur

23.06.2022 von Ulrike Seifert - 4 Minuten Lesezeit

Fehlerkultur – die Art und Weise, wie Einzelne, Gruppen und Organisationen, sogar ganze Gesellschaften mit Risiken, Fehlentscheidungen, Misserfolgen und ihren Konsequenzen umgehen. Dieses Thema beschäftigt derzeit viele, die krisenbedingt Denk- und Handlungsweisen auf den Prüfstand stellen müssen. Was macht eine konstruktive Fehlerkultur aus – und warum ist sie so ausschlaggebend für den Erfolg von Unternehmen?

Angst vor Fehlern und ihren Folgen

Deutsche Unternehmen und Mitarbeiter heben sich im internationalen Vergleich nicht gerade durch Risikobereitschaft hervor – so eine viel diskutierte Studie der Leuphana Universität Lüneburg. Obwohl das World Economic Forum 2022 Kreativität, Problemlösungskompetenz und aktives Lernen zu den gefragtesten Fähigkeiten von Mitarbeitenden zählt, geht die Mehrheit doch lieber auf Nummer Sicher. Tendenziell vermeiden wir unbekannte Wege, übernehmen lieber keine Verantwortung und halten uns an fest etablierte Denk- und Handlungsmuster.

Ein solches Verhalten hat natürlich Gründe. Der größte dürfte wohl die in vielen Unternehmen vorherrschende negative Fehlerkultur sein. Klar, Fehler kosten Ressourcen und sind aufwändig zu korrigieren – niemand macht sie gern. Besonders, wenn der Druck von außen auf das Unternehmen groß ist, scheint man sie sich nicht leisten zu können. Mitarbeitende fürchten, Fehltritte könnten unzureichende Kompetenz signalisieren und ihre Stellung gefährden. Fehler geben aber auch oft Hinweise auf größere strukturelle Probleme. Decken sie Unzulänglichkeiten von Kollegen oder Vorgesetzten auf, zieht das meist soziale Konsequenzen nach sich.

Und so wird in deutschen Unternehmen weiterhin das Ideal der Unfehlbarkeit hochgehalten, die Einzelnen und Teams tun nichts, was nicht x-mal von allen Seiten geprüft und rückversichert wurde. Kreativität, Innovation und die Bereitschaft, Probleme anzugehen, werden dadurch zwangsläufig hinten angestellt.

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Was bedeutet konstruktive Fehlerkultur?

Im Gegensatz zur oben beschriebenen Situation erlaubt eine konstruktive Fehlerkultur nicht nur Fehler, sie begrüßt sie sogar. Sie versteht Fehler als unvermeidbar, als notwendig und sogar hilfreich, wenn es darum geht, sich langfristig weiterzuentwickeln. Sie baut auf Prozesse, durch welche Fehler umfassend aufgearbeitet werden können. Sie pflegt eine offene, konstruktive Kommunikation über Fehler und einen respektvollen Umgang von Menschen miteinander.

All das setzt ein offenes Mindset voraus, das Fehler und Risiken nicht verbunden mit Misserfolg, sondern positiv als Chancen auffasst. Außerdem beruht es auf einer grundlegenden Lernbereitschaft, das heißt: dem Willen, Fehler als wertvolle Informationsquelle und Inspiration für die Zukunft anzuerkennen. Nach dem Motto des Autors Samuel Beckett: “Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail Better.”

Natürlich sagt niemand, dass man Risiken uninformiert oder halsbrecherisch eingehen sollte. Doch wenn man sich überhaupt nicht traut, auch einmal neue Wege zu gehen, selbst auf Basis von Erfahrung, Gespür und gesammelten Fakten nicht, dann läuft etwas schief.

Ohne Risiko keine Innovationen

Eine Angstkultur schafft letztendlich nur Nachteile: sie fördert unmenschlichen Perfektionismus, der die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit und damit die Unternehmensperformance hemmt. Zudem verschärft sie die Konsequenzen von Fehlern noch. Denn diese werden tendenziell vertuscht oder unzureichend aufgearbeitet. Was dazu führt, dass Probleme im Dunkeln immer weiter wachsen können – und irgendwann unkontrolliert explodieren. Man könnte also schon mal mit reiner Pragmatik argumentieren: Fehler werden so oder so passieren, also sollte man anstelle einer Verleugnungstaktik gleich entsprechende Prozesse entwickeln, um mit ihnen umzugehen.

Doch Unternehmen, die lernen, eine konstruktive Experimentier- und Fehlerkultur zu pflegen, verhindern nicht nur Negatives, sondern gewinnen auch Positives. Denn öffnen sie sich Risiken und möglichen Fehlschlägen, eröffnen sie sich gleichzeitig neue Wege zum Erfolg. Durch Menschlichkeit und Respekt verbessert sich das Arbeitsklima. Mitarbeitende entwickeln die nötige Motivation und psychologische Sicherheit, die den Nährboden für Kreativität und Innovation bildet. So wird Entwicklung möglich: der Menschen und Teams einerseits sowie besserer Angebote und Lösungen für Kunden andererseits.

Eine Offenheit für Fehler ermöglicht eine schnellere Reaktion auf den Markt und ist damit essenziell für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.

Der Weg zu einem besseren Umgang mit Fehlern

Argumente für eine konstruktive Fehlerkultur gibt es also viele. Doch wie kommen Menschen und Unternehmen dort hin?

Ein erster Schritt ist, das Eingestehen von Fehlern zu üben und dabei aktiv Fragen zu stellen. Wie sind sie passiert, wieso haben Menschen so reagiert? Was sind die Hinter- und Beweggründe und welche Schlüsse lassen sich ziehen? Dabei ist es wichtig, insbesondere in Hinblick auf Sanktionen absichtliche von unabsichtlichen Fehlern zu unterscheiden. Tools zur Dokumentation von Arbeitsschritten schaffen hier mehr Transparenz. Hilfreich ist es auch, kleine Vertrauensübungen in den Alltag zu integrieren, die Respekt und Teamgeist fördern.

Führungskräfte spielen bei all dem eine zentrale Rolle. Ihre Aufgabe liegt nicht nur darin, den Wert einer konstruktiven Fehlerkultur zu erkennen und ihn immer wieder zu kommunizieren. Sie sollten auch mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie auf Fehler souverän und reflektiert reagieren. HR und die Geschäftsführung sollten ebenfalls aktiv involviert werden, insbesondere wenn es darum geht, strukturierte Prozesse für die Aufarbeitung von Misserfolgen zu entwickeln.

Kommt man dann aber doch auf Dauer nicht weiter, gibt es die Möglichkeit einer praxisorientierten Kulturanalyse mithilfe von Agile Coaches. Auch zusätzliche fachliche Schulungen der Mitarbeitenden helfen, z.B. zu den Themen Agiles Mindset, Agile Methoden und Tools, Agiles Projektmanagement oder Design Thinking. So können sie als Multiplikatoren des Agilen Arbeitens eine konstruktive Fehlerkultur aktiv mittragen und mitgestalten.


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