Brainbirds Blog | Interview mit Geschäftsführerin Petra Hauser
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Petra Hauser und Brainbirds Österreich – „It’s a match!“

01.04.2022 von Ulrike Seifert - 9 Minuten Lesezeit

Hallo, Wien! Am 1. April 2022 startete Petra Hauser, Unternehmerin mit langjähriger Führungserfahrung, Transformationsantreiberin und Expertin für New Work, als Geschäftsführerin der Brainbirds Österreich GmbH. Ihre Ziele: starke Menschen in Organisationen und eine zukunftsfähige Wirtschaft in Österreich.

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Petra, wir freuen uns, dass du da bist! Erzähl doch mal: wie ist denn für dich als neue Geschäftsführerin bei Brainbirds Österreich die Ausgangslage? Wie haben sich Kultur und Wirtschaft in Österreich in den letzten Jahren gewandelt und wie beeinflusst das die Selbstwahrnehmung, die gegenwärtige Arbeit und die Zukunftsperspektive der Menschen und Unternehmen in Österreich?

Mehr als 90% der österreichischen Unternehmen sind kleine und mittelständische Unternehmen. Diese sind auch in Österreich oft nicht unbedingt die Innovationstreiber. Und hier hat sich in den letzten Jahren tatsächlich was getan. Wir haben zwei Bewegungen: Einerseits werden 2025 mehr als die Hälfte der Beschäftigten junge Menschen sein, die auch anders arbeiten wollen – die Dinge wie starre Strukturen, Silos, Hierarchien, keine Transparenz immer weniger akzeptieren. Diese prägen jetzt schon stark „Bottom up“ andere Arbeitsweisen, auch bezogen auf die Kultur, wie wir miteinander umgehen wollen. Andererseits gibt es auch in Österreich die sehr informierte Führung von mittleren und großen Unternehmen, die international tätig ist und entsprechende innovative Impulse erhält. Dort kommt „Top down“ auch ein Kulturwandel auf Österreich zu. Der ist schon da, wir sind mittendrin.

Die mittleren Manager:innen, die Dinge umsetzen müssen, befinden sich in einer Zange: sie bekommen einerseits „Bottom up“ den Druck, sich zu verändern. Und auf der anderen Seite gibt es von oben das schon transformierte Top-Management, das auch Anforderungen stellt und sagt: „Wir wollen jetzt agil werden, setzt das mal um”. In Österreich ist auf dieser Ebene des mittleren Managements am meisten zu tun, doch sie ist vielleicht am wenigsten veränderungswillig. Hier brauchen die Menschen noch mehr Empowerment, damit in den Unternehmen etwas passiert und auch die Chancen der Veränderung für das mittlere Management erkannt werden.

Was, würdest du sagen, ist derzeit das zentrale Bedürfnis der Unternehmen?

Das World Economic Forum definiert 2022 analytisches Denken und Innovation, aktive Lernstrategien und die Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen, als die wichtigsten Fähigkeiten von Mitarbeitenden. Doch aufgrund der Situation da draußen sind die Leute gerade nicht in einem Veränderungs-, Ausprobier-, Kreativitäts- und Loslass-Modus. Im Gegenteil, es wird enger, wenn du Druck erlebst, und wir erleben derzeit Druck auf so vielen Ebenen.

In den jetzigen Zeiten ist es besonders schwer für die Menschen, ihre Fähigkeiten, die sie in sich tragen, auch wirklich anzuwenden, weil das natürlich auch eine Gefahr birgt. Nämlich dass man, wenn man Dinge anders macht, vielleicht dem einen oder anderen nicht gefällt. Vielleicht ist es auch ein Fehler gewesen, und keiner von uns macht gerne Fehler. „Fehlerkultur“ halte ich für einen interessanten Begriff, den ich gern so fassen würde: ich kann experimentieren und darf aus dem Ergebnis lernen. Das ist eher eine Experimentierkultur, und die wird in den meisten Unternehmen nicht genug gefördert. Vor allem, weil die wenigsten geschult sind, Experimente strukturiert im Build-Measure-Learn-Modus umzusetzen. Der größte Stress von Menschen ist es, eine Situation nicht aktiv beeinflussen zu können, sich in der Falle zu fühlen. Ja, und da ist es der größte „Need“, den Mitarbeitenden eine sichere Basis zu schaffen, eine schützende Umgebung im Unternehmen, sodass wir dort gemeinsam nach vorne arbeiten können. Damit wir wieder erleben, dass wir einen aktiven Beitrag leisten können.

Ist das Lernen und das Skalieren von Lernen im Unternehmen auch ein großes Bedürfnis?

Wir haben über Dekaden Effizienz skaliert. Du überlegst, wie man Prozesse effizienter gestalten kann. Das kann man machen, ja, das hat aber irgendwann die Bottom Line erreicht – irgendwann ist das Produkt kaputt und es geht einfach nicht mehr effizienter. Deswegen ist eine lernfähige Organisation ein Voraussetzung, als Unternehmen heute zu überleben. Wir können uns nur verändern, wenn wir Dinge „entlernen“ und neu lernen. Das heißt auch, Dinge anders zu tun, andere Dinge zu tun.

Jetzt geht es darum, Lernen zu skalieren. Das heißt, Lernen in eine Form zu bringen, die im Unternehmen hochgradig wirksam werden kann. Mein gesamtes Mutterschiff muss in eine Lernfähigkeit kommen und muss dazu auch entsprechend empowered werden. Das gilt tatsächlich vom Blue Collar Worker bis hin zur angestellten Führungskraft. Inzwischen dreht sich 80% unserer Arbeit um das Handling von Ausnahmen. Deswegen müssen wir andere Fähigkeiten haben und diese der Workforce auch vermitteln. Wie lerne ich denn überhaupt, allein oder in der Gruppe? Wenn Letzteres, wie geht das in der heutigen Zeit? Habe ich die Möglichkeit, zum Beispiel kollaborativ mit dem Miro-Board umzugehen? Bin ich auch technologisch so ausgestattet, dass ich lernen kann? Lerne ich auch Kreativitätstechniken kennen, lerne ich, wie ich in der Gruppe Entscheidungen finde, lerne ich dazu Methoden, wie ich gemeinsam Probleme löse, wie ich analytisch denke? Das Vermitteln solcher Kompetenzen und das Schaffen der nötigen Voraussetzungen im Sinne von Hardware, Tools, Zeit, Raum etc., das meine ich mit Skalieren von Lernen.

Mit Brainbirds Österreich stellst du den Zweig eines Unternehmens auf die Beine, das genau an diesen Punkten, bei den Bedürfnissen der Mitarbeiter:innen in der Organisation ansetzt. Wie sieht deine Vision für Österreich aus? Wie kann Brainbirds Österreich Menschen und Unternehmen helfen, sich im Hinblick auf die Zukunft stark aufzustellen?

Der Purpose von Brainbirds Österreich ist es, Menschen als Individuum, als Teil eines Teams und schließlich als Teil einer Organisation zum Lernen zu motivieren und im Bereich der “Future Work Skills” zu befähigen. Und damit natürlich auch die Wirtschaft in Österreich konkurrenzfähig zu halten. In diesem Kontext dreht sich meine Vision um alle Themen, die mit New Work zusammenhängen. Mein Ziel ist es, das Thema New Work in Österreich positiv zu besetzen. Nämlich mit unserem Verständnis als Neuausrichtung im Mindset, im Führungsverhalten, auch in der organisationalen Struktur und in der Art und Weise, wie wir miteinander arbeiten. Vom Umgang miteinander über örtliche Flexibilität bis hin zu den Methoden und Tools, die wir dafür nutzen. Ja, ich sage das ganz bewusst so umfassend. Brainbirds Österreich wird Menschen für New Work sensibilisieren, befähigen und auch eine Ressource, eine wohlwollende Begleiterin sein. Das ist meine Vision.

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Spannend! Und inwiefern bereitet dich deine eigene Story auf dieses Projekt vor?

Petra Hauser und Brainbirds Österreich – it’s a match, mein nächster logischer Schritt! Ich habe mich mit meinen 55 Jahren immer wieder freudvoll und gerne verändert, insbesondere auch in dem, was ich beruflich mache. Ich komme aus einem Corporate-Umfeld, habe große Medienunternehmen geleitet, einen Privatradiosender mit aufgebaut, war in der Geschäftsführung der zweitgrößten Medienagentur tätig. Und dann habe ich meine eigene Company aufgebaut, mit viel Wissen aus dem Silicon Valley von der Singularity University, die 2009 schon proklamiert hat, wie wichtig „Corporate Transformation“ ist. Im Silicon Valley habe ich mir mein Rüstzeug angeeignet, um in Corporates einen guten Beitrag zu leisten. Und auch, als ich mich zu Talent Garden begeben habe, einem Startup, wo das Durchschnittsalter 32 ist, wo das Leadership tatsächlich transparent arbeitet, super transparente Governance, totale Diversity, 58% Frauen in Führungspositionen. Da habe ich mit einem Millennial-Team unglaublich viel darüber gelernt, wie es wirklich anders gehen kann.

Jetzt geht es mir darum, das, was ich in den Bereichen Mindset, Führung, Organisation und Methoden Neues erlebt, für mich reflektiert, mit Wissen und Erfahrung angereichert habe, wieder zu Corporates zu bringen. Und das mit Brainbirds, das heißt: mit einem tollen, erfahrenen und motivierten Team, mit einem erprobten und ständig weiter entwickelten Produkt-Portfolio und den richtigen Vehikeln. Ich finde es sehr spannend mit Brainbirds, weil wir nicht einfach nur ein Trainingsanbieter sind, sondern tatsächlich dieses skalierende Lernen als Element mitbringen. Zum Beispiel durch unsere Learning Planner, die eine Vielzahl von 90-minütigen, komplett flexibel kombinierbaren Modulen anbieten. Oder durch die Möglichkeit für Unternehmen, die kein eigenes Talent-Management haben, unsere Plattform bei sich zu integrieren.

Wie möchtest du Unternehmen in Österreich konkret beistehen?

Der Punkt, wo ich ganz konkret ansetzen will, ist: jetzt in die Unternehmen tief mit reinzugehen. Einerseits mit dem Leadership zu arbeiten, andererseits Multiplikatoren zu entwickeln, die dann Keimzellen des Lernens bilden und damit Skalierung ermöglichen, also nach und nach die gesamte Belegschaft mitnehmen. Ich missioniere nicht mehr. Das bringt letztendlich keinem was. Also, wenn ein Top-Management 2022 nicht verstanden hat, worum es geht und wie wichtig die Veränderung ist, die Veränderung der Kultur, der Arbeitsweisen, der Prozesse und Strukturen, des Mindsets und des Leaderships, dann hat es keinen Sinn, als Brainbirds Österreich mit so einem Unternehmen zu arbeiten. Einer der Geschäftsführer der European Space Agency hat einmal gesagt: die Evolution lässt es jedem frei auszusterben. Und das habe ich mir gemerkt, der Satz birgt tiefe Wahrheit. Also: mit jenen arbeiten, die wirklich was bewegen wollen und passende leidenschaftliche, mit anpackende Unterstützung von außen schätzen. Dann kann es losgehen.

Was ist dir besonders wichtig, wenn du ein Unternehmen oder ein Team bei seiner Transformation begleitest?

Vertrauen. Das Vertrauen ist mir sehr wichtig. Im Sinne von den Einzelnen, die so etwas mitmachen, weil auch sehr viel Öffnung nötig ist.
Ich möchte gerne, dass sie mir, dem Prozess und auch sich selbst vertrauen. Dass sie sehen, wie sie sich verändert haben, was sie dazulernen und dann in der Praxis die Probe aufs Exempel bekommen, dass das Neue einfach guttut. Ja, es ist sehr lohnend, sowas zu erleben: wie es, wenn man die ersten Schritte mit einem Unternehmen gegangen ist, dann dort intern weitergetrieben wird und ein Eigenleben annimmt und wächst und sich stärkt.

Was ist denn deiner Einschätzung nach das Wertversprechen gegenüber den Kunden – für welche Werte steht die Brainbirds Österreich GmbH?

Der erste Wert ist Glaubwürdigkeit in dem, was wir anbieten – die Gewissheit, dass das, was wir da tun, werthaltig ist. Ein zweites Wertversprechen ist eine Handschlagqualität: wenn wir uns dazu verpflichten, ein Unternehmen zu begleiten, dann wird das nicht nur mit großer Professionalität, sondern auch mit der entsprechenden Hingabe, Liebe und Obsession gemacht, sodass es für dieses Unternehmen wirklich die bestmögliche Experience ist. Ich setze alles daran, dort das beste Programm zusammenzustellen anhand unseres Portfolios nachhaltiger, zentraler, wichtiger Produkte. Natürlich sind wir auch experimentell unterwegs, unsere Produkte werden immer angepasst und aktualisiert. Nur die Produkte schaffen es in unser Portfolio, die auch „proven“ sind, impactstark. Das ist definitiv auch ein Wertversprechen. Gerade in einem Markt, wo sehr viel Buzzword-Bingo unterwegs ist, ist unser Wertversprechen, dass wir nicht nur reden, sondern uns tatsächlich ganz eng mit den Unternehmen abgestimmt auf eine Transformations-Journey begeben. Und dass der Kunde das Versprochene dann auch bekommt.

Wo würdest du die Menschen, die Unternehmen in Österreich gerne in fünf oder zehn Jahren sehen?

Ich würde die Unternehmen, die österreichische Wirtschaft gerne in einem messbaren Erneuerungsprozess sehen. Das heißt, was wir unter Ambidextrie des Führens verstehen: einerseits auf das Kerngeschäft Wert legen und auf der anderen Seite strukturiertes Experimentieren umsetzen. Diese Ambidextrie, die wünsche ich mir in fünf Jahren für eine breite Basis von Unternehmen. Dass ich also sehe, dass sie es einerseits wirklich auch messbar schaffen, die Kultur im Core-Business so zu transformieren, dass dort Veränderung möglich ist. Und dass sie andererseits einen Inkubator des Innovativen haben, wo auch neue Dinge passieren. Zudem wünsche ich mir, dass auch Wien oder Österreich noch mehr zu einem attraktiven Startup-Hub wird. Dass wir dort dann bei den Techcrunch-Ratings auch gut im vorderen Feld sind. Warum? Weil Veränderung dieses Ökosystem braucht.


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